Bildung

Bildung 

Klimagerechtigkeit erfordert Verantwortung gegenüber den Mitmenschen im eigenen Land wie auch weltweit genauso wie gegenüber der Biosphäre im Ganzen. Nur so kann der dauerhafte Erhalt und die Regenerationsfähigkeit unserer Lebensgrundlagen erreicht werden. Sie muss von allen Menschen mitgetragen werden und auf der Basis demokratischer Entscheidungen beruhen. Ihre Umsetzung beginnt auf lokalen Handlungsebenen, wofür entsprechendes Wissen, die Ausbildung eines gesamtgesellschaftlichen Verantwortungsbewusstseins und die Befähigung zur Wahrnehmung politischer Beteiligungsmöglichkeiten erforderlich ist. Deshalb ist es unverzichtbar, dass bereits in der Schule eine klimagerechte Lebensweise und demokratische Kultur erarbeitet wird.

Zeitgerechtes Bildungssystem

Bildung muss in allen Etappen kostenlos sein die Kita stellt den ersten Schritt hin zu einer guten Bildung und muss daher für alle frei zugänglich sein. Sie schafft die Grundlage dafür,  dass Kinder nicht bereits zu Schulbeginn abgehängt sind, da  alle Kinder bereits in der Kita Förderung und Fürsorge erhalten können. Die Finanzierung erfolgt bereits über Steuern einkommensabhängig und wird auf diese Weise von der Gesamtgesellschaft übernommen, weitere Gebühren sollen abgeschafft werden. 

Vor Übertritt in die Schule erfolgt die Überprüfung der Sprachkompetenz im Rahmen der bereits bestehenden Schuleignungstests. Sollte im Ergebnis eine Zurückstufung erforderlich werden, muss in dem Vorschuljahr eine entsprechende sprachliche Förderung verpflichtend sein. Zusätzliche Sprachtests darüber hinaus halten wir nicht für sinnvoll. 

Geschlechtliche und ethnische Vielfalt soll kindgerecht mit thematisiert werden, damit Kinder diese als Selbstverständlichkeit in ihrer Umwelt kennenlernen können. Gerade kleine Kinder sind sehr unvoreingenommen der Vielfalt der Menschen gegenüber. Dies soll nicht durch heteronormative Darstellungen eingegrenzt werden. 

Wir vertreten die individuelle Freiheit in der Ausgestaltung differenzierter Bildungskonzepte auch unter freier Trägerschaft, wobei alle Schulformen das Erreichen inhaltlich gleicher Lernziele gewährleisten müssen. Lt. Art.7 GG besteht das Recht zur Errichtung von privaten/freien Schulen inkl. der Pflicht des Staates zu deren Förderung. Der Staat spart durch Förderung privater Schulträger Kosten für ein und kann sich bzgl. Gewährleistung der Schulausbildung entlasten, trotzdem liegt der Förderungsanteil pro Schüler je nach Bundesland bereits bei 80-100 %. *Allerdings wird im GG gefordert, dass eine Sonderung der Schüler nach den Besitzverhältnissen der Eltern nicht gefördert wird, was lt. Studien nicht ausreichend der Fall ist. Wahrscheinlich damit zusammenhängend ist der Anteil von Schülern mit Migrationshintergrund an privaten Schulen auch geringer. Eine zusätzliche Förderung ist eher kritisch zu sehen.

Kinder brauchen unabhängig davon, was sie für Voraussetzungen mitbringen, die besten Lehrer. Die Anforderungen an die Lehrkräfte sind auch in Grund- und Hauptschule nicht geringer als im Gymnasium.  Wir treten daher für ein einheitliches Einstiegsgehalt ein, die Entscheidung für eine bestimmte Schulform darf nicht vordergründig von der Gehaltsaussicht bestimmt sein.  Aufgrund der von uns als notwendig erachteten Förderung insbesondere auch der Inklusion im Bildungssystem ergibt sich zwangsläufig die Notwendigkeit, eine größere Zahl von Lehramtsstudienplätzen zu schaffen. Wichtig ist jedoch auch, die Lehrerstellen attraktiver zu gestalten, was in enger Kooperation mit den Berufsverbänden und Gewerkschaften erfolgen sollte.

 

Einheitliche Bildungsstrategie von Bund und Ländern

Wir unterstützen die Einführung eines bundesweit einheitlichen Zentralabiturs in dem Sinne, dass ein gleiches Niveau der Ausbildung für alle Schulabgänger:innen vorausgesetzt werden kann. Aus diesem Grund sollten aufeinander abgestimmte Lehrpläne in allen Ländern bereits auf Jahrgangs ebene erreicht werden sollen, auch um einen reibungslosen Wechsel von Schüler:innen zwischen den Bundesländern zu gewährleisten. Die Methodik der Wissensvermittlung wie auch die Erarbeitung von Kompetenzen des Wissenserwerbs liegt im Verantwortungsbereich der Länder. 

 

 

 

Eine Schule für alle, 12 Jahre gemeinsam 

Durch Gemeinschaftsschulen im ländlichen Raum werden für alle Schichten kurze Wege ermöglicht. Weiterhin zerreißt die frühe Trennung von Schüler:innen zu einem Zeitpunkt, wo spätere Interessen und Fähigkeit sich gerade erst in der Entwicklung befinden häufig Beziehungen zwischen Kindern, die sich gerade erst gefestigt haben und hat aus unserer Sicht eher eine Aufteilung entlang der sozialen Schichten zur Folge. So entstehen parallele Erlebniswelten bereits in der Kindheit. Gemeinschaftsschulen ermöglichen ein längeres gemeinsames Lernen in einem kontinuierlichen Klassenverband und wirken sich integrierend über soziale Schichten hinweg aus. Wir unterstützen daher die Ausweitung von Gemeinschaftsschulen in Verbindung mit einer individuellen Förderung aller Schüler je nach Fähigkeiten und  Spezialisierungen.

 

Antidiskriminierung

Wichtig ist die Ausbildung von Toleranz zwischen Weltanschauungen und die Herausbildung eines Bewusstseins für ethisch begründete Entscheidungen als Grundlage eines gesellschaftlichen Miteinanders. Das Kennenlernen religiöser Ansichten und Traditionen soll ebenso wie philosophische Grundprinzipien in einen für alle geltenden Ethikunterricht integriert werden, sodass diese für alle Schüler:innen erfahrbar und in ihren Inhalten untereinander diskutierbar werden können. Eine Unterrichtung in Glaubensgrundsätzen einzelner Religionen ist nicht Aufgabe einer staatlichen Schule und sollte im privaten Umfeld erfolgen. 

 

Aufgrund der zunehmenden sozialen Ungleichheit, welche sich auf die Lern- und Lebensbedingungen im elterliche Haushalt auswirkt und die Basis für unterschiedlichen Bildungs- und Entwicklungschancen darstellt, halten wir die Einstellung einer/s Sozialarbeiter:in an jeder Schule für notwendig.

Wir halten die rein digitale Form der Wissensvermittlung für eine umfassende Bildung als unzureichend. Der Erwerb von Kompetenzen insbesondere auch im Umgang mit digitalen Medien, sozialen Netzen, Aspekten des Datenschutzes unerlässlich. Wir unterstützen daher ein Modell, in dem digitale Endgeräte über schulische Fördervereine prinzipiell jedem/r Schüler:in im notwendigen Umfang als Leihgabe zur Verfügung gestellt werden, mit der freiwilligen Möglichkeit einer solidarischen Finanzierung bei gleichzeitiger Unterstützung des Fördervereins. Ziel ist dabei auch das Erlernen eines verantwortungsvollen Umgangs mit dem Gerät selbst. 

Förderschulen für Kinder mit Behinderungen sollen aufgrund des teilweise spezifischen Förderbedarfs erhalten bleiben. Auf lange Sicht sollen Schulen jedoch möglichst inklusiv gestaltet werden.  Dafür sollen Förderschulen für Kindern aus Regelschulen geöffnet werden und an Regelschulen Förderklassen entstehen, sodass alle Schüler kurze Schulwege haben. Die Kinder sollen gemeinsam, mit den anderen in eine Schule gehen können, sollten aber weiterhin speziell auf ihre Bedürfnisse abgestimmt geschützte Räume haben. Parallel sollen die Weiterbildung der Lehrer:innen auf dem Gebiet der Inklusion und  die Ausbildung auf Förderschullehramt ausgebaut werden. 

 

Klimagerechte Schulen und Hochschulen

Die Klimakrise ist keine Frage politischer Ansichten, die je nach Einstellung gewichtet werden kann, sondern eine naturwissenschaftlich belegte Entwicklung mit klarer Ursache-Folge-Beziehung. Die Kenntnis über ihre Ursachen, Folgen und die Möglichkeiten, sie aufzuhalten gehören ganz klar in den Schulunterricht. Dies wollen wir durch folgende Maßnahmen ermöglichen:

  • Klimabeauftragte an jeder Schule und Hochschule zur Organisation nachhaltiger Prozessstrukturen (Beschaffungswesen und Müllvermeidung, Entwicklung, bauliche Veränderungen) und mit Vetorecht bei ökologisch unzureichenden Entscheidungen
  • Fortbildung für alle Lehrkräfte, um Expertise zur Klimakrise auf dem aktuellen Stand der Wissenschaft zu erreichen.
  • Gesicherte Finanzierung von Maßnahmen zur Umsetzung von Klimaneutralität aller Schulen und Hochschulen in den Bereichen Baumaßnahmen, Energieversorgung und Ausstattung mit Unterrichtsmaterialien bis 2035 auf kommunaler und Landesebene
  • Ermöglichung autofreier Schulwege durch Ausbau der ÖPNV-Anbindung aller Schulen einschließlich einer erhöhten Taktung zu  Schulbeginn und -ende, Anlage sicherer Schulwege für Radfahrer:innen und Fußgänger:innen sowie Einrichtung autofreier Zonen um Schulen
  • klimaschonende Organisation von Schulreisen
  • Klimagerechte Schulspeisung, Mensen und Kantinen mit weitgehend fleischfreier, regionaler  und saisonaler Versorgung. Erstellung entsprechender Vorgaben auf kommunaler Ebene

 

 

Zeitgemäße Anpassung von Bildungsinhalten

Um ein bewusstes und selbstbestimmtes Leben zu führen, aber auch um überhaupt die Klimakrise und Klimaschutz beurteilen zu können, müssen wir die Inhalte der Kinder- und Erwachsenenbildung angepasst werden. Wir schlagen folgen Anpassung vor:

  • Definition eines zukunftsfähigen Menschenbildes und Anpassung der Bildungsinhalte
  • Einführung eines verpflichtenden Unterrichtsfaches Ökologie und nachhaltige Entwicklung (BNE) zu Ursachen und Folgen des Klimawandels sowie  Strategien der Nachhaltigkeit
  • Einführung eines 14-tägigen Frei-Tags für fächerübergreifende Projekte zu Themen der Ökologie und des nachhaltigen Wirtschaftens, der Klimagerechtigkeit und der Möglichkeiten demokratischer Beteiligung in Politik und Gesellschaft mit dem Ziel der Entwicklung kreativer Lösungskompetenzen. In diesem Zusammenhang Einbeziehung von Schüler:innen in politische Entscheidungen durch lokale Jugendräte
  • Unabhängigkeit der Lehrpläne und Unterrichtsmaterialien von Klima-schädigendem Lobbying
  • Die Einbindung der Schulen in die Wohnviertel, Städte und Regionen soll gestärkt werden durch Integration z.B. außerschulischer Veranstaltungen, von Volkshochschulkursen oder Austauschwochen zwischen Stadt und Land – ein Bildungscampus als Lern- und Lebensort mit Freizeitangeboten und regionaler Verankerung.
  • Förderung lebenslanger Weiterbildungsmaßnahmen in allen beruflichen, wirtschaftlichen und politischen Bereichen zur Aufrechterhaltung eines aktuellen Kenntnisstandes bezüglich Klimafolgenabschätzung, Ressourcenmanagement und neuer technischer Entwicklungen
  • Die Gemeinschaft soll jedem/jeder eine gute Berufs- oder Hochschulausbildung unabhängig vom sozialen Hintergrund ermöglichen. Wir wissen, dass eine Hebung des Bildungsniveaus durch eine gute Ausbildung dazu führen wird, dass die Bürger:innen kreativer,  sozialer und verantwortungsbewusster leben 
  • Akkreditierung der Hochschulen nur nach Thematisierung der Bildung für nachhaltige Entwicklung und Klimawandel in den Studiengängen und Implementierung in den Studiengängen mit  einer Übergangszeit von 2 Jahren
  • Ausbildungsfinanzierung  ohne anschließende Rückforderung (z.B. Erststudium bis max. 7 Jahre), bedarfsabhängig und orientiert an Lebenshaltungskosten.  Um vorhandene Potenziale ausschöpfen zu können, sollte jede/r so viel lernen können, wie er/sie für ein bestimmtes Ausbildungsziel für erforderlich hält. Aufgrund des Bachelor-Master-Systems hat sich die Dauer des Studiums ohnehin reduziert und die Möglichkeit des Wechsels ist einfacher geworden. Konsequenterweise muss damit auch die Möglichkeit eines Zweitstudiums gebührenfrei möglich sein.