Energie und Umwelt

Abkehr von nicht-regenerativer Energieerzeugung

Atomenergie

Atomenergie gilt für uns nicht als CO2-freie Alternative zu erneuerbaren Energien, da die Langzeitfolgen und die Gefahren nicht kalkulierbar sind. Einer Renaissance der Atomenergie erteilen wir eine entschiedene Absage. Die Lagerung setzt nachfolgenden Generationen unzumutbaren Lasten und Gefahren aus den die Endlagerproblematik ist nach wie vor ungelöst. Es entstehen massive Folgekosten für Mensch und Umwelt. Zudem muss bei Atomenergie neben der sogenannten friedlichen Nutzung immer die militärische Nutzung mit berücksichtigt werden. Alles in allem ist Atomenergie keine Lösung für die Energiefragen der Zukunft, sondern ein unberechenbares Problem.   

Kohleausstieg

Wir sind für eine frühst möglichen Kohleausstieg ab 2025. Die Entschädigungszahlungen an Kraftwerksbetreiber die für Stilllegung erfolgt erst nach vollständiger Abschaltung und nicht im Voraus. Erhöhung der Zahlung für jeden Monat vor der geplanten Abschaltung. Entschädigungszahlungen sind zweckgebunden an weitere Klimaschutzmaßnahmen geknüpft.

Erdgas

Aus den Arbeiten der Scientists for Furture[1] geht hervor, dass aufgrund der aktuellen Versorgungslage und der prognostizierten Entwicklung der Gasversorgung in D und der EU kein Neubau/Ausbau von Gasinfrastruktur vonnöten ist. Eine Fertigstellung und ein Betrieb von North Stream II lehnen wir ab. Es besteht schon jetzt eine ausreichende Versorgung durch staatenübergreifende Gasleitungen nach Deutschland. Ein Start des Betriebs der Ostseepipeline würde die Nutzung dieses fossilen Energieträgers  unnötig verlängern. Erdgas verbrennt zwar etwas sauberer als feste oder flüssige fossile Energieträger trägt aber immer noch erheblich zu den hohen CO2 Emissionen in Deutschland bei. Zudem ist der Hauptbestandteil von Erdgas Methan. Bei Verarbeitung und Transport von Erdgas treten unvermeidlich Methanemissionen auf, die in die Atmosphäre gelangen. Methan hat in der Atmosphäre ein sehr hohes Treibhausgaspotential (25-mal wirksamer als CO2) und trägt damit ebenfalls zur Erderwärmung bei.

Emissionsrichtlinien für konventionell gefeuerte Aggregate / Feuerstätten 

Emissionen aus Verbrennung fossiler Energieträger – unabhängig welchen Nutzen –  beeinflusst unser Klima. Die Freisetzung von Treibhausgasen, sowie thermischer Energie aus Verbrennung derer hat nachweislichen Einfluss auf den globalen Wärme- und Stoffkreislauf.  

Feuerungstechnische Anlagen welche vorausschauend mit Technologie zur Luftreinhaltung ausgestattet sind, diese jedoch aufgrund Übergangsfristen in gesetzlichen Regularien nicht betreiben, dürfen nicht ohne Nutzung derer betrieben werden. Förderungen des Bundes sind für genannte Anlagen als obsolet zu betrachten.

Globaleinflusskorrigierte CO2-Besteuerung

Basierend auf dem „wissenschaftlichen Konsens der Treibhaustheorie“[2] fordern wir eine Besteuerung von fossilen Energieträgern aufgrund derer Treibhausgasemissionen[3] und deren kalkulatorischen, realen Langzeitfolgen für Natur und Mensch. Die Steuereinnahmen werden einem Fond zugeschrieben, welcher allen Menschen weltweit bei der Bekämpfung/Aufarbeitung von Schäden an Leib und Leben durch Umwelteinflüsse zugutekommt. Hierbei liegt das Verfahren des Equity Weighting als kalkulatorisches Werkzeug zur örtlichen, realwirtschaftlichen Folgekostenabschätzung zugrunde.

Die vorgeschlagene Bepreisung richtet sich nach den errechneten Klimafolgekosten für künftige Generationen. Nach aktuellem Wissensstand ist eine Bepreisung mit 180 € je t CO2-Äquivalent notwendig um künftige Generationen finanziell nicht zu belasten[4]. Die Preisentwicklung zu dem durch das BMU vorgeschlagenen Zielpreis kann Stufenweise bis 2035 erfolgen, um allen Emittenten hinreichend Zeit zur Umstellung ihrer Emissionsbilanz zu geben.

Ausbau erneuerbarer Energie

Photovoltaik

Im Moment nutzt Sachsen nur 25 % seines Potenzials zur Stromerzeugung aus Photovoltaik. Bayern nutzt im Vergleich dazu etwa 45 % seines Potenzials. Die  installierte Leistung aller PV-Anlagen in Sachsen beträgt zur Zeit 2,5 GW. Eine Leistung von mindestens 5 GW bis zum Jahr 2030 wäre nötig. Der Ausbau muss gleichermaßen in dezentralen Kleinanlagen (Dachanlagen) wie auch in größeren Anlagen stattfinden. Eine Kombination mit einem Speicher ist dabei von großer Bedeutung. Leider war das Förderbudget für Speicher für PV-Dachanlagen für die Jahre 2020 und 2021 aufgrund der hohen Nachfrage schon im März 2021 vollständig ausgeschöpft. In dezentralen Kleinanlagen wie auch in größeren Anlagen muss dringend eine neue Speicher-Förderung etabliert werden.

Außerdem setzen wir uns dafür ein die Steuerlichen und bürokratischen Hürden bei Photovoltaik und Solarthermieanlagen weiter abzubauen. Eine zusätzliche Förderung vom Land Sachsen für Mieterstromprojekten sollen vorgesehen werden, damit Solarstrom Verbrauchsnah erzeugt und genutzt werden kann. Eine kombinierte Nutzung von lokalen Energiespeichern und diesen dezentralen Anlagen würde eine weitere Belastung der Netze entgegenwirken. 

Windenergie

Sachsen ist im Vergleich der Bundesländer auf einem guten Weg was den Bestand von Windenergieanlagen betrifft. Es zählt zu den Top 5 Bundesländern was die installierte Leistung betrifft. Der Ausbau der Windenergie hat jedoch im Jahr 2018 einen absoluten Tiefpunkt erreicht. Seit dem steigen die Ausbauzahlen zwar aber leider nur sehr gemächlich. Weiterhin müssen alle Windenergieanlagen, die in den nächsten Jahren aus der EEG-Förderung fallen durch ein Repowering ersetzt werden. Hier muss dringend nachgesteuert werden.  Das Bundesland weist derzeit 1 % der Landesfläche als Windvorrang- und Eignungsgebiet aus. Um den drohenden Verlust aufzufangen ist das jedoch viel zu wenig. Auch um die Klimaziele vom Paris zu erreichen sind mindestens 3 % der Landesfläche für Windenergieanlagen bereitzustellen. Im Moment hat das Land 5,3 GW installierte Windenergie-Leistung. Nach dem Energiekonzept 2030 der Landesregierung werden für 2030 6,5 GW prognostiziert. Das ist viel zu wenig. Eine installierte Leistung aller Windenergieanlagen von insgesamt 10 GW für das Jahr 2030 ist dringend erforderlich und die Meilensteine für dieses Ziel müssen jetzt definiert werden.

Statt der seit dem EEG 2021 geltenden Kann-Regelung (0,2 Cent/kWh der Energieerzeugung einer Windenergieanlage, WEA für die Gemeinde) hinaus  sollte 0,5 Cent festgelegt werden. Die Betreibergesellschaft muss den Sitz in der Gemeinde haben, auf dem das Flurstück der WEA liegt (Gewerbesteuereinnahmen).

Ausbau der Speicherkapazität

Elektrisch Speicheranlagen

Synergie Effekte nutzen und die Akkumulatoren der Elektrofahrzeuge als  dynamischen Zwischenspeicherung verwenden, um Lastspitzen lokal  abzufangen und die Entladungsenergien, wenn Sie im Überangebot  vorhanden sind, aufnehmen zu können. In Kombination mit anderen  Haushalten und weiteren Elektrofahrzeugen entsteht so ein  Hochdynamisches Verbundsystem, dass die vorhandenen Kapazitäten und  Energiequellen optimal und effizient nutzt. Durch den Zusammenschluss  verschiedener kleinst Erzeuger und zwischen Speicher könnte sich lokale  Halbinselnetze einfacher realisieren lassen, die den Menschen in der  Umgebung ein Zusammengehörigkeit-Gefühl gibt und den Zusammenhalt in  der Kommune stärkt. 

 

Chemische Speicheranlagen

Vor allem die Entwicklung und serienreife Produktion von Anlagen für eine flächendeckende Anwendung als chemischen  Energiespeicher für Spitzenzeiten. Wir sehen einen Vorteil in der Förderung  der Herstellung von grünem  Wasserstoff auf Basis erneuerbarer Energien unter Einbeziehung der  Weiterverarbeitung in besser transportierbare Stoffe wie z.B. Methan  oder Amonika. Trotzdem ist auch die Nutzung von grünen Wasserstoff weiter voranzubringen, da die Entwicklung schon weiter fortgeschritten ist und praktikable Anwendungen findet.

Sanierung der Stromnetze und Sicherstellung der Schwarzstartfähigkeit

Um intelligente Netze zu schaffen (Smart Grid) Ausbau/Erneuerung der lokalen Verteilnetze inklusive flexibler Ortsnetztrafos notwendig. Auf höhere Spannungsebene regionalen und nationalen Übertragungsnetze für den Bedarf der erneuerbaren Energien ertüchtigen. Das gilt ebenfalls für Ebenfalls grüne Gas- und Nahwärmenetze. Wir wollen dies in unserem Land mit einem staatlichen Sanierungsprogramm vorantreiben.

Jede Kommune ist als kleinste Versorgungseinheit im übergeordneten Übertragungsnetz für Elektroenergie zu betrachten. Im Schwarzfall (Flächendeckender Ausfall der Elektroenergieversorgung) muss es möglich sein das deutsche und europäische Übertragungsnetz durch Freischaltung der einzelnen zellularen Ebenen wieder anzufahren. Hierfür sind rotierende Massen wie bspw. Dieselaggregate, BHKWs und GuD-Anlagen notwendig und als kalte Reserve vorzuhalten. Diese Vorhaltung muss seitens des Staates und damit der Gesellschaft entlohnt werden. Mittels Frequenzumrichtung arbeitende Energieerzeuger (Photovoltaikanlagen, Windturbinen, usw.) können anhand der durch den führenden Erzeuger generierte Netzfrequenz auf die notwendige Frequenz synchronisiert werden. Die führende Netzfrequenz zur Fusion mehrerer zellularer Unterebenen ist dynamisch nach der verfügbaren Leistung und Anteil der rotierenden Massen in den einzelnen zu synchronisierenden Sub-Netzen vorzugeben.

[1] Hanna Brauers, Isabell Braunger, Franziska Hoffart, Claudia Kemfert, Pao-Yu Oei, Fabian Präger,

Sophie Schmalz, Manuela Troschke (2021). Ausbau der Erdgas-Infrastruktur: Brückentechnologie oder Risiko für die Energiewende? Diskussionsbeiträge der Scientists for Future 6, 11 pp. doi:10.5281/zenodo.4474498

[2]  Hans Joachim Schellnhuber: Selbstverbrennung Die fatale  Dreiecksbeziehung zwischen Klima, Mensch und Kohlenstoff, C. Bertelsmann  Verlag.

[3]  Umweltbundesamt: Verkehrswende für ALLE – So erreichen wir eine sozial gerechtere und umweltverträglichere Mobilität, August 2020,  https://www.umweltbundesamt.de/publikationen/verkehrswende-fuer-alle (aufgerufen am 09.12.2020)

[4] Umweltbundesamt: Methodenkonvention 3.0 zur Ermittlung von Umweltkosten – Kostensätze, Februar 2019, https://www.umweltbundesamt.de/publikationen/methodenkonvention-30-zur-ermittlung-von  (aufgerufen am 13.12.2020)