Ernährung, Landwirtschaft, Bodennutzung und Naturschutz

Landwirtschaft

Die Landwirtschaft steht zur Zeit unter keinem guten Stern.

Durch diverse Handelsabkommen der Vergangenheit ist sie dem Preisdruck eines Weltmarktes ausgesetzt, dem sie ohne Unterstützung nicht standhalten kann.

Andererseits ist die Landwirtschaft in einer Jahrzehnte währenden Eigendynamik gefangen, die nun mal alles andere als umweltfreundlich ist und teilweise nur noch ihrem Selbstzweck dient.

Die regulierenden Instanzen bekommen bestenfalls noch das Prädikat „träge“, sind oft praxisfern und nicht auf dem neusten Stand was notwendige Veränderungen betrifft. Ohnehin stehen sie mehr oder weniger direkt unter der Fuchtel der Agrarlobby, die für ein „weiter wie bisher“ steht, da sie nicht an ökologischer und sozialer Nachhaltigkeit, sondern lediglich an Profit orientiert ist.

Bodenerosion, Verunreinigung des Grundwassers, Emissionen und Belastungen auf verschiedenen Ebenen, Rückgang der Biodiversität, speziell Insektensterben, Massentierhaltung, Höfesterben, drohende Versteppung, etc. sind die Folgen. Noch dazu sitzen die Landwirt*innen mehr am Computer als sich mit der Landwirtschaft an sich zu beschäftigen.

Das Resultat dieser Entwicklung sind mit Ackergiften behandelte Monokulturen aus Mais, Raps, Weizen, Roggen, Zuckerrüben, Gerste und Zwischenfrüchten, die bei dem sich wandelnden Klima mittlerweile bis Mitte November blühen und nicht nur der Honigbiene stark zusetzen. In der industriellen Tierhaltung wird Soja verfüttert das auf der Fläche gerodeter Regenwälder kultiviert wird. Die Ausscheidungen der Tiere müssen regelrecht entsorgt werden und bedingen hohe Treibhausgas-Emissionen und eine Überdüngung der Böden und Gewässer. Es entstehen unglaubliche Mengen Massentierhaltungsfleisch, in Plastik eingeschweißt, dass es bis nach China oder Afrika exportiert werden kann, um dort die Märkte kaputtzumachen.

Es gibt auch hier Nischen, kleine Obstanbaugebiete, kleine und selten auch größere Gemüsebetriebe oder auch Tierhaltung, die einer kritischen Betrachtung irgendwie standhalten kann. Auch gibt es hier viele Biobetriebe, die den Namen auch verdienen, aber noch viel zu wenige.

Wenn wir der Realität der Klimakrise und der drohenden Klimakatastrophe, des Biodiversitätsverlustes in die Augen schauen, dann sehen wir:

  • In Zukunft kann und darf es kein unsinniges um-die-Welt-gekarre von Nahrungsmitteln mehr geben, die am Empfangsort selbst angebaut werden oder durch regionale Produkte ersetzt werden können
  • Die Artenvielfalt braucht Platz, muss geschützt und wieder aufgebaut werden
  • Unsere Böden und Gewässer müssen geschützt und wieder aufgebaut werden
  • Mit dieser Tierhaltung und dem ungezügelten Fleischkonsum kann es so nicht weitergehen
  • Die teilweise unglaublich prekären Situationen in der Lebensmittelindustrie können keinen Moment länger toleriert werden
  • Landwirtschaft muss wieder positiv assoziiert werden, Spaß machen und für kleine Betriebe attraktiv und machbar sein. 
  • Die Herangehensweise muss der Höhe der Problemlage entsprechen

Wie bei so vielen Problemen unserer Zeit, gibt es auch hier Ansätze fern der Agrarindustrie, die sich in der Praxis bereits bewährt haben. Sie müssen nur die Chance bekommen, als echte Alternative anerkannt zu werden.

nachhaltige Landwirtschaft

Alle Subventionen müssen auf ihre Klimaverträglichkeit, die planetaren Grenzen und die Folgekosten hin überprüft werden und ein Verbot aller umweltschädlichen und sozial nicht nachhaltigen Subventionen gesetzlich festgelegt werden. Dies gilt selbstverständlich auch für die Landwirtschaft.

Es muss eine Formulierung entsprechend strenger gesetzlicher Standards erfolgen und eine Kopplung der Agrarzahlungen an deren Einhaltung. Daraus ergibt sich mittelfristig, dass folgende Praktiken nicht mehr wirtschaftlich sein werden:

  • Massentierhaltung (damit wird auch eine Verschärfung des Düngemittelgesetzes überflüssig)
  • Der flächendeckende und gedankenlose Einsatz von Pestiziden, Herbiziden, Insektiziden…
  • Der Einsatz synthetischer Düngemittel
  • Monokulturen

Im Gegensatz dazu werden nachhaltige Methoden und Techniken finanziell gefördert, sodass Methoden der regenerativen Landwirtschaft flächendeckend angewandt werden und Landwirtschaft gemeinwohlorientiert gestaltet wird.

Im Rahmen des Studiums der Landwirtschaft und von verpflichtenden Weiterbildungsmaßnahmen für Landwirte wird zunächst Basiswissen zu ökologischen Zusammenhängen, dem Ausmaß der Klimakatastrophe und zum allgemeinen Zustand des Paneten Erde sowie zur Verantwortung der Landwirtschaft vermittelt. Es werden nur noch Konzepte nachhaltigen Wirtschaftens vorgestellt und Techniken und Methoden der regenerativen Landwirtschaft vermittelt. Diese können dann auf die betrieblichen Anforderungen bezogen vertieft werden.

Im Rahmen der Einführung eines ökologisch und sozial nachhaltigen Wirtschaftssystems werden die Flächeneigentumsverhältnisse durch eine Bodenreform grundlegend im Sinne des Gemeinwohls an vielen Stellen umstrukturiert, Flächen können kollektiviert und neu zu gründenden kleinbäuerlichen Landwirtschaftsbetrieben zur Verfügung gestellt werden. Allgemein wird allen Besitzern von Betriebsstätten die Verpflichtung auferlegt nachhaltig und verantwortungsvoll zu wirtschaften.

Übergangszeit

Erarbeitung von Gesetzen und entsprechenden Strafen um Landbesitzer und Bewirtschafter in die Verantwortung für ihr Handeln zu nehmen (im Rahmen des Klimaschutzgesetzes, Generationenvertrag, Ökozidgesetz, Lieferkettengesetz):

  • Regulierung der Weltmarktpreise durch eine von Agrarkonzernen unabhängige Institution die sich an den planetaren Belastbarkeitsgrenzen ausrichtet
  • Umgestaltung der europäischen Agrarförderung (GAP)
  • Entwicklung und Umsetzung strenger gesetzlicher Standards für Umwelt- und Tierschutzmaßnahmen unter Berücksichtigung der planetaren Grenzen und der Folgekosten, Kopplung der Agrarzahlungen aus der 1. Säule an deren Einhaltung
  • 10 % der Betriebsfläche sind im Sinne des Naturschutzes bzw. des Erhalts der Biodiversität von der Produktion ausnehmen
  • Zweckbindung mind. 15 Mrd. p.a. (D) für Einkommens-wirksame Honorierung von zusätzlichen Naturschutzleistungen
  • Verlagerung der maximal möglichen Betrages von der 1. in die 2. Säule
  • Überarbeitung von ELER/GAK und den AUKM (z.B. Verringerung der Schlaggrößen, Etablierung von Agroforstsystemen, Aufwertung von Grünland, Renaturierung, Brach- und Blühstreifen sowie Wiederherstellung von Landschaftselementen…) unter Beteiligung relevanter Akteure, dabei Berücksichtigung der Folgekosten konventionellen Wirtschaftens und der Umweltleistungen die in Folge der Anwendung von Methoden der regenerierenden Landwirtschaft, des Zulassens natürlicher Prozesse und Landschaftselemente sowie der Förderung von Strukturelementen usw. erbracht werden, 
  • Schaffung von Anreizen zur Umstellung auf ökologische Landwirtschaft, diese soll bis 2035 mindestens 50 % betragen
  • verpflichtende Teilnahme der Landwirte an Weiterbildungsveranstaltungen zum Zustand des Planeten Erde und zur Verantwortung der Landwirtschaft sowie zu Konzepten nachhaltigen Wirtschaftens (sonst keine Auszahlung der GAP-Mittel)
  • Regelung für Flächen-gebundene Tierhaltung
  • Novellierung der Düngemittel- und Pflanzenschutzverordnung 
  • Einführung einer Prüfung der Sozialverträglichkeit und Förderung gemeinwohlorientierten Wirtschaftens
  • Gründung regionaler Beratungszentren für teilnehmende Landwirte
  • Erstellung eines Programms zur Förderung und Etablierung gemeinwohlorientierter, kleinbäuerlich und ökologisch wirtschaftender Gemüsebau-Betriebe ( B. SoLaWi) und Aufbau regionaler Wertschöpfungsketten und Vermarktungsstrukturen zur Sicherung der lokalen Ernährungsautarkie und zur Schaffung von Arbeitsplätzen. Erarbeitung eines Konzeptes um Höfe und Flächen für diese Betriebe verfügbar zu machen.
  • Gezielter Anbau für regionale Märkte und Aufbau regionaler Wertschöpfungsketten (Förderung der lokalen Ernährungsautarkie), Produktdiversifizierung.
  • Massive Verringerung des Fleischkonsums durch Abgaben, wirkungsvolle gesetzliche Regularien, Aufklärung und Etablierung von pflanzlichen Alternativen. Dadurch massive Verringerung des Flächenverbrauchs für Tierhaltung weltweit. Nachhaltige Bewirtschaftung der frei werdenden Flächen bzw. Renaturierung. 

Flächenverbrauch beenden

Die Zerstörung natürlicher Lebensräume durch die Landwirtschaft, der Schadstoffausstoß in die Umwelt sowie die zunehmende Zersiedelung sind neben der einsetzenden Klimakrise die wesentlichen Faktoren für das Artensterben und den Rückgang der Biodiversität. Pro Tag werden in Deutschland mehr als 60 ha Fläche neu verbraucht. Deshalb brauchen wir eine sofortige Festlegung von Netto-Null bei der Flächenversiegelung und eine vorrangige Umnutzung bereits versiegelter Flächen, Neuversiegelung nur bei äquivalenter Renaturierung.

Die Umgestaltung der Flächen stellt eine enorme Aufgabe dar, die nur durch leidenschaftlichen Einsatz der Landwirt*innen zu bewältigen sein wird.

Hier kommen wir zu einem anderen fatalen Problem von heute: Die Flächen gehören oft nicht den bewirtschaftenden, sondern z.B. Großbetrieben, völlig branchenfremden Konzernen oder Menschen, ohne jeglichen Bezug zum Land außer Besitztum. Wir wollen eine gesellschaftliche Debatte anstoßen über Eigentumsverhältnisse an land- und forstwirtschaftlichen Flächen.

Was wir für die notwendigen Veränderungen jetzt brauchen, sind solidarisch und kooperativ handelnde Landwirt*innen mit Zugang zu eigenen (bzw. der Bodenspekulation entzogenen) Flächen um die nötige Motivation zu entwickeln für unausweichliche und unaufschiebbare Veränderungen.

Wir verstehen uns hierbei als Teil einer Plattform, auf der sich Agierende aus allen dadurch tangierten Bereichen einbringen können. Weiter setzen wir uns dafür ein, urbangardening-projekte (auch in Verbindung mit Aquaponik anlagen) zu fördern und umzusetzen. Sie sind unerlässlich um von weiten Transportwegen wegzukommen und Emissionen zu verringern sowie die Ernährungssouveränität zu steigern. Auch sind bestimmte Formen von urbangardening geeignet, die Erhitzung von Städten zu senken.

Regenerative Landwirtschaft

Je nach Kultur sollten für den Humusaufbau und damit die Speicherung von CO2 im Boden Verfahren der regenerierenden und aufbauenden Landwirtschaft angewandt werden:

  • pfluglose Landwirtschaft, natürlich ohne die Verwendung von Ackergiften
  • Direktsaat
  • Untersaaten
  • Gründünger (der möglichst nicht in der Zeit blüht, in der die Insekten Winterruhe halten, um die natürlichen Abläufe hier nicht zu beeinträchtigen) bzw. Zwischenfrüchte und Flächenrotte, ggf. Einbringen von Mikroorgansmen
  • Fruchtfolge
  • Mulchen mit Grünschnitt (auch aus Agroforstsystemen)
  • Etablierung von Agroforstsystemen
  • holistisches Weidemanagement

Agroforstsysteme

Die Äcker werden durch Gehölzreihen in der Fläche ergänzt, ohne die Möglichkeit der maschinellen Bearbeitung dadurch zu beeinträchtigen. Feldränder werden ebenfalls mit Gehölzen bepflanzt.

Die Bodenerosion und Verdunstung wird dadurch stark gebremst. Der Humusaufbau wird begünstigt und drohender Versteppung entgegengewirkt. Die Biodiversität wird bei breiter geeigneter Gehölzauswahl und Ausführung der Pflanzungen stark begünstigt.

Kohlenstoff wird in dem neuen Kreislauf gebunden, kann sogar durch Holzernte und Pyrolyseanlagen in Kohle verwandelt werden, die wiederum in den Ackerboden gebracht, Kohlenstoff dauerhaft im Boden speichert und die Bodenqualität verbessert.

Es sind die verschiedensten Arten von Pflanzungen möglich und sie sollten auch alle zum Einsatz kommen:

  • Gemischte Hecken aus gebietsheimischen Gehölzen 
  • Obstgehölze aller Arten 
  • Nüsse aller Arten 
  • Werthölzer aller Arten als Hochstämme 
  • Kurzumtriebsgehölze für  Hackschnitzel zum Heizen oder (verkohlt) zum Ausbringen auf dem  Acker für Humusaufbau         
  • Einreihige Pflanzungen         
  • Mehrreihige Pflanzungen         
  • Auch auf Grünland mit extensiver Tierhaltung

Der Landwirtschaft bringt diese Art der Bestellung bessere Bedingungen auf den Äckern und dem Grünland, zusätzliche Verdienste durch zusätzliche Erträge und Risikostreuung. Zu guter Letzt werden die Emissionen aus der Landwirtschaft in einigen Jahren mit anderen Augen betrachtet werden, wenn die meisten Sektoren ihre Hausaufgaben hoffentlich gemacht haben werden. 

Die durch Agroforst entstehende und aktiv unterstützte Speicherung von zusätzlichem Kohlenstoff ist messbar und als Erfüllung einer gesamtgesellschaftlichen Aufgabe auch vergütbar. Es ist denkbar, dass in Zukunft hierdurch sogar eine negative Emissionsbilanz entsteht.

Auch die gesamte Ökosystemleistung von Agroforstflächen ist beachtlich. Die Landwirtschaft wird zudem wieder mehr ihrer Aufgabe, der lokalen Ernährungssouveränität gerecht. In dem Zuge kann auf unsinnige Importe verzichtet werden, dass im Punkte Transport die Klimabilanz weiter verbessert. 

Die Landwirtschaft hat die Gelegenheit, aus der Rolle des Buhmannes und Sündenbock herauszutreten und eine ästhetische Kultur-Landschaft gestaltend, eine gefeierte Rolle einzunehmen im Kampf um gleich mehrere der elementarsten Herausforderungen unserer Zeit.

Ernährung und Konsum

Tierschutz und Fleischkonsum

28 % der anthropogenen Treibhausgasemissionen (Methan, CO2, Lachgas) stammen aus der Massentierhaltung und deren direkt verbundenen Lieferkette[1]. Durch übermäßige Landnutzung, daraus resultierender Abholzung insbes. Für Sojaanbau in äquatornahen Regenwaldregionen liegt ein Großteil des Einflusses auf den globalen Waldbestand bei der Fleischindustrie und der direkt damit verbundenen Erzeugung von Milchprodukten und Eiern.[2] 

Die Umstellung auf eine pflanzliche Ernährung der Weltbevölkerung könnte im Vergleich zu heute eine Landfläche von bis zu 31 Mill. Km² freisetzen, die heute als Weideland und zum Anbau von Futtermitteln benötigt wird (76 % der heutigen Agrarflächen).[3] Das hätte eine Verminderung des Artensterbens durch Wiederherstellung von Wildnis und Lebensräumen zur Folge. Eine Verringerung des Einsatzes von Antibiotika sowie Pestiziden und Insektiziden in der Tierfutterproduktion kann die Widerstandsfähigkeit unserer Ökosysteme und die Stabilität der natürlichen Nahrungsketten gestärkt werden. Der übermäßige Nährstoffeintrag in Gewässer und Böden würde abgebaut und die Boden- und Trinkwasserqualität verbessert werden. Ein verminderter Gülleeintrag würde auch die Feinstaubbelastung aus der Zersetzung von Tierexkrementen um bis zu 45 % reduzieren. Zum führt es zu einer hohen Wassereinsparung aufgrund der im Vergleich zum pflanzlichen Landbau weitaus höheren direkten und indirekten Wasserbedarfs der Tierhaltung und -verarbeitung (1 kg Rindfleisch: 15.415 l Wasser ; 1 kg Butter: 5553 l / 1 kg Kartoffeln : 287 l; 1 kg Avocados ca. 1000 l).

Ein Ende der Tierproduktion führt somit zur Reduktion sämtlicher planetarer Risiken, u.a. Reduktion der Landnutzung durch deutlich verringerten Flächenbedarf, der Erwärmung durch Schaffung von CO2-Senken und Senkung der Treibhausgasemissionen, Reduktion des Artensterbens durch Erhalt und Wiederherstellung von natürlichen Lebensräumen, Reduktion der Boden- und Wasserverseuchung und Wiederherstellung einer natürlichen Nährstoffbalance, Reduktion der Versauerung der Meere und der Wasserverschwendung.

Eine Person mit veganem Lebensstil emittiert gegenüber einer sich mit einer durchschnittlichen Menge an Fisch und tierischen Produkten ernährenden Person nur halb so viel Treibhausgase durch ihre Nahrungsmittelerzeugung und -versorgung[4]. Ein Umdenken in der Definition eines „Grundnahrungsmittels“ und einer „ausgewogenen“ Ernährung ist notwendig um die Weltbevölkerung gesund, nachhaltig und sicher zu ernähren. Tierische Produkte können dabei einen Anteil als Genussmittel spielen.

Um dabei dem Tierschutz gerecht zu werden, fordern wir das Verbandsklagerecht für anerkannte Tierschutzvereine, eine Veröffentlichungspflicht für Verwaltungsakte in der (Massen-)Tierhaltung – nach Vorbild des Umweltschutzes über das UVP-Portal – sowie behördliche Kontrollen in Form einer tierschutzrechtlichen Genehmigung.

Dazu gehört auch die Novellierung der Richtlinien zu artgerechten Haltungs- und humanen Wirtschaftsbedingungen, Billigproduktion unter dem Deckmantel des Tier“wohl“siegels unterbinden. Die aktuelle Massentierhaltung basiert auf der Maßgabe „günstiges Endprodukt für die breite Masse“. Dass hierbei die Lebensqualität der Tiere und damit die Qualität der Lebensmittel sinkt, ist bekannt. Neben den unethischen Haltungs-, Lebens-, Transport- und Schlachtbedingungen der Tiere führt dieses System ebenso zu einer Ausbeutung der Erzeuger und Angestellten der Lieferkette[5]. Die Arbeitsbedingungen derer sind Symptom des auf Leistung und Quantität getrimmten Erzeugungssystems, welches nur von Waren und monetären Werten und nicht von Humanität und ethischen Grundsätzen geführt wird.

 Dahingehen wollen wir folgende Anpassungen in Sachsen Tierschutz und Fleischkonsum vornehmen:

  • Obergrenze für Zuchtbetriebsgröße; Halbierung der Tierbestände in Intensivhaltungsregionen (Reduktion des Fleischverzehrs durch Verknappung)
  • Überprüfung und Kennzeichnung von Futtermittel auf Klimaverträglichkeit und Stopp von Mastfutterimporten aus ehem. Regenwaldgebieten
  • Beendigung subventionierter Fleisch sowie Milchprodukt-Exporte in nicht EU-Länder
  • Vegetarische und vegane Gerichte in öffentlichen Kantinen; Reduktion Fleischkonsum gem. 
  • Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (25 %)
  • Schrittweise Umlenkung aller Subventionen von tierischen Produkten zu rein pflanzlichen Alternativen durch Kostenanpassung entsprechend dem Ressourcenverbrauch und der Klimawirksamkeit.
  • Aufklärung an Kitas und Schulen. Nur Kinder, die über den tatsächlichen Ursprung ihrer Nahrung aufgeklärt sind, können entscheiden, ob sie Dinge konsumieren oder nicht. Das abstrakte Medium „Fleisch“ oder „Milch“ bietet nicht diese Aufklärung und entfremdet junge Menschen in ihrer prägenden Entwicklungsphase von den tatsächlichen Individuen für deren Leben und Leid sie mit verantwortlich sind.
  • Auch in Mensen und Kantinen muss klimafreundliche Ernährung möglich sein. Dafür sollen dort vermehrt regionale, saisonale und biologische Lebensmittel verfügbar sein. Diese Entwicklung darf jedoch nicht über die Köpfe der Konsument*innen hinweg stattfinden – Projekte wie die „Kantine Zukunft“4 und „bio kann jeder“ können Veränderungsprozesse begleiten und die Betriebe so unterstützen, dass alle vom Wandel profitieren können: Gäste, Mitarbeiter:innen und die Umwelt gleichermaßen.
  • Fischfangquoten in deutschen Gewässern minimieren
  • Fischimporte (unabhängig ob Aquakultur oder Seefisch) minimieren
  • Fischfarmen beeinflussen Küstennahe Bereiche nachhaltig und (zer)stören deren ursprüngliche Biodiversität. Durch Medikation der Fische mittels ihrer Futtermittel gelangen gelöste Anteile dessen in die Meere.
  • Förderung weltweiter nautischer Rückzugsgebiete für Wildtiere (30 – 50 % der Meere)

Nachhaltiger Konsum

Regionale und ökologische Landwirtschaft soll vom Land gefördert und subventioniert werden. Finanzielle Anreize können Unternehmen motivieren, klimafreundlicher zu wirtschaften. Biologische Lebensmittel sind auch im Hinblick auf die Biodiversität Produkten aus der konventionellen Landwirtschaft vorzuziehen. Solch ein Konsumwandel muss aber für alle bezahlbar sein – durch eine Subventionierung der biologischen Landwirtschaft werden diese Erzeugnisse auch für Menschen mit geringem Einkommen zugänglicher gemacht. Auf der anderen Seite müssen die Folgekosten konventioneller Landwirtschaft errechnet und auf die Preise aufgeschlagen werden, umweltschädliche Landwirtschaft darf nicht mehr subventioniert werden.

  • Entfernungsbasierte Preisbildung für Lebensmittelimporte (Avocado aus Südamerika, Tomatenprodukte aus China, … Globaleinflusskorrigierte CO2-Besteuerung)
  • Deutliche Ursprungskennzeichnung am Produkt (ggf. der 3-4 Hauptkomponenten bei hochverarbeiteten Produkten)
  • Globalen Impact des Gesamtproduktes ausweisen (z.B. Wasserbedarf bei Baumwollprodukten, …)

Ressourcenverbrauch reduzieren und Müllvermeidung

Um unsere Ressourcenverschwendung und Überproduktion nachhaltig zu ändern, müssen wir lernen unsere Bedürfnisse nicht länger durch eine auf lineares Wachstum angelegte Wirtschaftsform zu befriedigen. Das heißt, dass Sachsen sich für alternative Formen des Wirtschaftens öffnet, die nicht auf Ausbeutung von Mensch und Natur beruhen. Unserer Auffassung nach kann das Ziel einer ökologischen und klimaneutralen Wirtschaftsform nicht in einer immer weiter anwachsenden Linie liegen, sondern nur in einem in sich geschlossenen Kreis der Wiederkehr. Darum wollen wir in Sachsen das Prinzip der Kreislaufwirtschaft einführen. Folgen Maßnahmen sind dahingehend notwendig:

  • Verwendetes Kunststoffmaterial muss innerhalb einer Generation abbaubar oder vollständig wiederverwertbar sein
  • Hersteller in Verantwortung für Produktrecycling und -entsorgung (Recycling-/Entsorgungskonzepte als Bestandteil der Produktentwicklung, Standardisierung kritischer Komponenten und Produkte); Pfand auf Geräte und Verpackungen
  • Strategie zur Vermeidung von Lebensmittelabfälle (4 % der jährlichen Treibhausgasemissionen in D)
  • Sofortiges Ende der Steuerfreiheit für Rohöl, das zu Plastik verarbeitet wird. Verbot von Einmal-Plastik und Plastikprodukten, für die eine Nichtplastik-Alternative besteht (z.B. Flaschenmaterial)
  • sofortiges Verbot von Mikroplastik (In Kosmetikprodukten etc.)
  • Zweijährliche Prüfung und Standardanpassung von Geräten bzgl. Rohstoff-  und Energieeffizienz und Wiederverwertbarkeit
  • Zertifizierungsmodell für Kunststoff-Recycling (auch außer Landes um Verklappung und unsachgemäße Haldenlagerung zu verhindern); Zulassung für Verkauf von Kunststoffen inkl. Regelung zum Recycling
  • Verbot/Strafwürdigkeit geplanter Obsoleszenz; Recht auf Reparatur
  • Intensivierte Mülltrennung
  • Ausfuhrverbot für Müll
  • Ausbau der Forschung  zur Verbesserung des Recyclings, Ressourcensteuer
  • Lieferkettengesetz prüfen und auf jeden Fall verschärfen (Recherche: Initiative Lieferkettengesetz); Zertifizierung und Kontrolle der Einhaltung von Menschenrechten und Klimawirksamkeit bei Rohstoffabbau und Produktion
  • Labeling: Überarbeitung von Verzehrempfehlungen (Stopp des Nutriscore – siehe veganer Brotaufstrich auf C, Fruchtzwerge auf B …), Novellierung von FSC-Zertifizierung (keine Holzimporte aus Eukalyptus- Monokulturen auf ehem. Regenwaldgebiet)

Genuss und Suchtmittel

  • Werbeverbot Tabak- & Alkoholkonsum 
  • Legalisierung von Hanfprodukten zur privaten Anwendung
  • Ernährungsbildung an Schulen und für Eltern bzgl. Klimawirksamkeit und Fleischreduktion und Substitution von allg. tierischen Produkten

 

Schutz der Wälder

Ab gerodete Waldflächen müssen zukünftig mit heimischen Laubbäumen und dem Klima angepassten Alternativen bepflanzt werden. Unsere Wälder leiden unter der Trockenheit und Hitze der letzten Jahre. Massive Waldschäden, vor allem bei der Fichte, sind bereits jetzt zu sehen. Dabei ist der Wald als wichtiger CO2-Speicher, Ökosystem, Holzlieferant und Erholungsort für uns alle von größter Bedeutung. Deshalb ist es sehr wichtig, dass die Wälder so weit wie möglich an die veränderten Klimabedingungen angepasst und widerstandsfähiger gemacht werden.

Vor allem soll eine naturnahe Waldbewirtschaftung mit standortgerechten Baumarten fördern, die nach dem momentanen Stand des Wissens eine möglichst hohe Resilienz und Resistenz gegenüber den Folgen des Klimawandels und damit einhergehender Störfaktoren haben. Gemäß dem Positionspapier des Deutschen Verbandes Forstlicher Forschungsanstalten vom 9. September 2019, wollen wir Mischwälder mit Baumarten, die sowohl dem heutigen wie auch zukünftigen Klima gerecht werden. Um eine positive Waldentwicklung sicherzustellen, müssen außerdem die Wildbestände streng geregelt und kontrolliert werden.  

Aus diesen Erkenntnissen sind die nachfolgenden Maßnahmen notwendig: 

  • Bei der Wiederbewaldung von Flächen wird verstärkt auf die Biodiversität geachtet. Es sollen naturnahe Wälder mit standortgerechten Baumarten entstehen. Aufgrund des fortschreitenden Klimawandels sollen die neuen klimatischen Bedingungen bei der Auswahl der Baumarten berücksichtigt werden. Der genaue Wiederbewaldungsplan wird vor Ort entschieden.
  • Waldflächen sind aufzuforsten, um CO2 zu binden und genug Bauholz zur Verfügung zu stellen. Daher fördern wir die Pflanzung von Bäumen mit 2 € pro Baum. Es muss dabei sichergestellt werden, dass die CO2-Speicherung langfristig erfolgt. Dies gilt auch für Einzelbäume z.B. in Stadtgebieten.
  • Schadholz, das nicht gemäß des BAT-Konzepts im Wald bleibt und sich auch nicht als Baumaterial eignet, wird vorrangig in Pyrolyse-Anlagen zu Pflanzenkohle verbrannt. Diese Anlagen werden in das Wärmenetz der Kommunen eingebunden.  
  • Es wird ein Konzept für eine bessere Kaskadennutzung von Holz erarbeitet. Dabei wird darauf geachtet, das Holz zu einem wesentlich größeren Teil erst stofflich (d.h. verbaut) und dann energetisch (d.h. verbrannt) verwendet wird, um den Energiegehalt möglichst vollständig zu nutzen. Dies bedeutet auch, dass das Holz bei der stofflichen Verwertung nicht mit giftigen oder anderweitig gesundheits- oder umweltschädlichen Stoffen bearbeitet wird, die eine Weiterverwendung erschweren oder aufgrund der Belastung unmöglich machen. Auch die entsprechende Forschung, z.B. für geeignete Lacke und Kleber, muss gefördert werden. 
  • Kommunen und Privatpersonen sollen ermutigt werden, das BAT-Konzept auf Wälder in ihrem Besitz anzuwenden. Hierzu sollen die Forstämter bei der Planung und Umsetzung beratend zur Seite stehen.  
  • Die Jagd leistet einen wichtigen Beitrag zur Regulierung des heimischen Schalenwildbestandes und somit zum Aufbau eines Klima-stabilen Daher sollen Jäger in ihrer Aufgabe unterstützt werden, den Schalenwildbestand einzudämmen.
  • Die Forschung von Anpassungsstrategien für Wälder in Bezug auf den Klimawandel und die sinkende Biodiversität wird ausgeweitet. 
  • Da in den nächsten Jahrzehnten die Gefahr von Waldbränden zunimmt, werden die lokalen Feuerwehren unterstützt und für eine bessere personelle und materielle Ausstattung gesorgt. 
  • Das FSC-Siegel wird momentan nur an Wälder aus weitestgehend heimischen Baumarten verliehen. Da sich durch den Klimawandel unsere Baumbestände ändern, fordern wir das Anpassen der Kriterien des FSC-Siegels.  
  • In allen Nationalparks in Sachsen müssen die Voraussetzungen für eine neue artenreiche Waldgeneration geschaffen werden. Gestresste Waldgebiete müssen ökologisch verträglich bewirtschaftet werden, indem die Entwässerung und Verdichtung von Waldböden vermieden wird. Planungsvorhaben für weitere Wintersporttourismusprojekt im Harz müssen unterbunden werden. Es müssen Maßnahmen zur Sicherung bzw. Anhebung des Grundwasserspiegels sowie eine Erhöhung des Wasserrückhaltepotenzials der Waldböden entwickelt werden.
  • Ökologische Waldwirtschaft
  • klima- und standortangepasste Wiederaufforstung vorzugsweise zusammenhängender Flächen zur Schaffung von Schutzgebieten und als CO2-Senke

[1] Robert Goodland & Jeff Anhang: Life stock and climate change: What if the key actors in climate change are…cows, pigs, and chickens?, https://awellfedworld.org/wp-content/uploads/Livestock-Climate-Change-Anhang-Goodland.pdf (aufgerufen am 31.01.2021)

[2] Peter Scarborough et al.: Dietary greenhouse gas emissions of meat-eaters, fish-eaters, vegetarians and vegans in the UK, Climatic Change (2014) 125:179–192, DOI 10.1007/s10584-014-1169-1.

[3] J.Poore, T. Nemecek et al.: Reducing food´s environmental impacts through producers and consumers, science.sciencemag.org/content/360/6392/987.full

[4] Peter Scarborough et al.: Dietary greenhouse gas emissions of meat-eaters, fish-eaters, vegetarians and vegans in the UK, Climatic Change (2014) 125:179–192, DOI 10.1007/s10584-014-1169-1.